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Preis-Einbruch bei Seltenen Erden

Bis in die 80er Jahre wurde der Markt für Seltene Erden von den USA dominiert. Danach hat China mit seinen zahlreichen Erzvorkommen die Marktführerschaft übernommen. Niedrige Löhne sowie das Nichtexistieren von Umweltauflagen hat China gegenüber den USA einen deutlichen Wettbewerbsvorteil verschafft. Anfang der 2000er haben die USA dann jegliche Aktivitäten eingestellt.

Bedingt durch den technologischen Fortschritt gewannen die Seltenen Erden in den Folgejahren eine immer größere Bedeutung für die Industrie. Einhergehend mit einem überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum Chinas im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts wurde China schnell zum größten Verbraucher dieser Rohstoffe. Um die ausreichende Versorgung für die eigene Industrie sicherzustellen, hat Peking erstmals im Jahr 2005 Exportquoten für Seltene Erden festgelegt. Von anfangs 65.000 t wurden diese bis zum Jahr 2009 sukzessive auf 50.000 t reduziert. 2010 gab es dann völlig überraschend einen weiteren, in diesem Ausmaß nicht erwarteten Einschnitt. Innerhalb von nur einem Jahr wurde die Exportquote um 40% auf eine Jahresmenge von nur noch 30.000 t zurückgenommen. In der Folge kam es im Markt zu Überreaktionen. Die internationalen Kunden waren in großer Sorge, ihre Anlagen und Prozesse nicht mehr ausreichend mit Rohstoff versorgen zu können. Es gab ein Hauen und Stechen, um einen ausreichenden Teil vom deutlich geschrumpften Kuchen abzubekommen. Die Preise sind explosionsartig gestiegen. Erst in der 2. Hälfte 2011 kam es zu einer Preisberuhigung. Einigen Verbrauchern war es zwischenzeitlich gelungen, Prozesse zu optimieren bzw. auf alternative Rohstoffe umzustellen.

Mit dem Hype kam auch Bewegung in die Versorgungsschiene. Einerseits wurden zahlreiche internationale Erzvorkommen auf dem Silbertablett serviert, um Investoren anzulocken. Andererseits kam es in China verstärkt zu illegalem Abbau mit zum Teil erheblichen Schäden für Mensch und Umwelt. Während fast alle internationalen Projekte wieder eingestellt wurden, ist der illegale Abbau noch immer präsent, wenn inzwischen auch deutlich eingeschränkt.

Von den zahlreichen internationalen Projekten war es lediglich zweien gelungen, Erz abzubauen und verkaufsfähiges Material in den Markt zu liefern. Doch der seit Ende 2011 anhaltende Preisverfall hat dazu geführt, dass auch die amerikanische Firma Molycorp ihre Aktivitäten Ende 2015 eingestellt hat. Seitdem werden außerhalb Chinas nur noch bei der australischen Lynas signifikante Mengen abgebaut.

Seit Mitte 2016 scheinen sich die Preise wieder zu stabilisieren. Die Maßnahmen der chinesischen Regierung im Kampf gegen illegalen Abbau zeigen zunehmend Wirkung. Zudem klagen viele Unternehmen, nach der von Peking geforderten umwelttechnischen Aufrüstung, nicht mehr kostendeckend arbeiten zu können.

Die Berechnungen von Marktanalysten lassen für die Zukunft einen erhöhten Bedarf an Seltenen Erden erwarten. Es gibt sogar Prognosen, dass China langfristig nicht in der Lage sein wird, diesen Bedarf alleine decken zu können. Es wird also früher oder später internationale Unterstützung benötigt. Dies wird allerdings nur funktionieren, wenn die Marktpreise ein wirtschaftliches Handeln ermöglichen.